Juli 2020 — Hunsrück

Huns­rück­quer­bahn: Wenig kon­kre­te Aus­sa­gen – Güter­ver­kehr ab Dezember?

Das pri­va­te Bahn­un­ter­neh­men Wid­mer Rail AG plant, ab Dezem­ber Güter­ver­kehr auf der Stre­cke der Huns­rück­quer­bahn zwi­schen Lan­gen­lons­heim und Mor­bach zu betrei­ben (wir berich­te­ten). Dazu hat­te der CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Hans-Josef Bracht eine Anfra­ge an die Lan­des­re­gie­rung gestellt. Er woll­te wis­sen, wie die­se die Plä­ne von WRS hin­sicht­lich Ernst­haf­tig­keit, Rea­li­sie­rungs­chan­cen und ‑mög­lich­kei­ten auch auf den aktu­el­len Bau­zu­stand bewer­tet und ob WRS einen Rechts­an­spruch auf die Reak­ti­vie­rung und Nut­zung der Stre­cke habe. Staats­se­kre­tä­rin Danie­la Schmitt (FDP) vom Minis­te­ri­um für Wirt­schaft, Ver­kehr, Land­wirt­schaft und Wein­bau, ant­wor­tet: „Für den still­ge­leg­ten Stre­cken­ab­schnitt zwi­schen Büchen­beu­ren bis Her­mes­keil lau­fen der­zeit Ver­hand­lun­gen der WRS Deutsch­land GmbH mit der DB Netz AG als Eigen­tü­me­rin der Stre­cke, um die Stre­cke zu pach­ten. Ein Antrag auf Ertei­lung einer Geneh­mi­gung als Eisen­bahn­in­fra­struk­tur­un­ter­neh­men liegt dem Land nicht vor. Vor dem Hin­ter­grund, dass die­ser Stre­cken­ab­schnitt seit Jah­ren unbe­fah­ren ist und Ertüch­ti­gungs­ar­bei­ten erfor­der­lich sind, kann zu einem mög­li­chen Inbe­trieb­nah­me­zeit­punkt kei­ne Aus­sa­ge getrof­fen wer­den. Die Anfor­de­run­gen an die Sicher­heit des Betriebs, auch an den Bahn­über­gän­gen, wer­den durch die Lan­des­ei­sen­bahn­auf­sicht fest­ge­legt. Die Zulas­sung rich­tet sich nach den gesetz­li­chen Vor­ga­ben. Da die genann­ten Ver­fah­ren noch nicht ein­ge­lei­tet wur­den, kön­nen hier­zu kei­ne Anga­ben gemacht wer­den. Die Kos­ten für Siche­rungs­maß­nah­men trägt der Betrei­ber des Schienenweges.“

Recht­lich bestehen­de Bahnstrecke

Schmitt führt aus, dass es sich bei dem Abschnitt zwi­schen Büchen­beu­ren und Her­mes­keil recht­lich um eine bestehen­de Eisen­bahn­stre­cke han­de­le. Für eine Bestands­stre­cke erfol­ge Lärm­schutz auf Basis des frei­wil­li­gen Lärm­sa­nie­rungs­pro­gramms des Bun­des. „Wel­che Maß­nah­men hier­bei im Ein­zel­nen infra­ge kom­men, wird durch ein Lärm­gut­ach­ten geklärt wer­den“, sagt Schmitt. Das gel­te auch für den Abschnitt Lan­gen­lons­heim und Büchen­beu­ren. Auf Brachts Fra­ge, ob die Plä­ne von WRS in Ein­klang zu brin­gen sei­en mit den lau­fen­den Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren im Stre­cken­ab­schnitt Lan­gen­lons­heim und Büchen­beu­ren sowie den Zie­len der IG Natio­nal­park­bahn zwi­schen Büchen­beu­ren und Her­mes­keil, ant­wor­tet Schmitt, dass die WRS-Plä­ne unab­hän­gig von einer even­tu­el­len Reak­ti­vie­rung der Stre­cke für den Per­so­nen­ver­kehr zu sehen sei­en. Nach Kennt­nis der Lan­des­re­gie­rung wer­de die Huns­rück­quer­bahn für eine Geschwin­dig­keit von 30 km/​h von Lan­gen­lons­heim bis Strom­berg und für 10 km/​h im wei­te­ren Abschnitt bis Büchen­beu­ren betriebs­be­reit vor­ge­hal­ten. „Ein attrak­ti­ver Per­so­nen­ver­kehr kann erst nach Ertüch­ti­gung der Huns­rück­quer­bahn gefah­ren wer­den“, betont Danie­la Schmitt. Die Ant­wor­ten der Staats­se­kre­tä­rin stel­len Bracht nicht zufrie­den: „Die Lan­des­re­gie­rung agiert bei der Huns­rück­bahn völ­lig plan­los! Kon­kre­te Aus­sa­gen zu Lärm­schutz, Sicher­heit und der Reak­ti­vie­rung der Huns­rück­bahn feh­len. Die Ant­wor­ten auf mei­ne kon­kre­ten Fra­gen sind sehr aus­wei­chend. Offen­bar wur­de die Lan­des­re­gie­rung von den WRS-Plä­nen kalt erwischt. Die Lan­des­re­gie­rung weiß nichts, obwohl seit Jah­ren vie­le Mil­lio­nen an Steu­er­gel­dern in Pla­nun­gen für eine Reak­ti­vie­rung flie­ßen“, erei­fert sich Bracht. Eine Nut­zung der Huns­rück­quer­bahn für Güter­trans­port ab Dezem­ber ohne die not­wen­di­gen Vor­keh­run­gen ber­ge gro­ße Pro­ble­me – wie Gefah­ren­stel­len an einer Viel­zahl von unbe­schrank­ten Bahn­über­gän­gen sowie Lärm­be­las­tun­gen durch lau­te Güter­zü­ge und Pfeif­si­gna­le. „Für uns gilt daher: Bahn­ver­kehr nur mit Sicher­heit und Lärm­schutz“, sagt Bracht.

Dass die Bahn­stre­cke nach den Vor­stel­lun­gen der dama­li­gen SPD/ FDP-Lan­des­re­gie­rung bereits 2002 reak­ti­viert an den Start gehen soll­te und sich immer noch nichts getan habe, lässt Bracht schluss­fol­gern: „Die Men­schen im Huns­rück füh­len sich für dumm ver­kauft.“ Die man­gel­haf­te Ziel- und Umset­zungs­ori­en­tie­rung der Lan­des­re­gie­rung in Sachen Reak­ti­vie­rung habe die Ent­wick­lungs­chan­cen im Huns­rück, und offen­sicht­lich auch die des Flug­ha­fens Hahn, mas­siv gehemmt. Die Lan­des­re­gie­rung müs­se end­lich mehr Ent­schluss­kraft zei­gen und die Per­spek­ti­ve für eine Reak­ti­vie­rung der Stre­cke und damit ins­be­son­de­re für den Per­so­nen­ver­kehr auf der Stre­cke schaf­fen. In der Lan­des­re­gie­rung sei man sich nicht einig: Die SPD äuße­re sich seit Jah­ren kri­tisch, zurück­hal­tend oder gar nicht, die Grü­nen for­der­ten medi­en­wirk­sam die Reak­ti­vie­rung, und das zustän­di­ge FDP-Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um las­se jeg­li­ches Enga­ge­ment ver­mis­sen und ant­wor­te jetzt sehr ausweichend.

Brü­cke in Nick­wei­ler stabilisiert

Vor dem Hin­ter­grund der geplan­ten Güter­ver­keh­re soll am Wochen­en­de ein Test­zug zwi­schen Lan­gen­lons­heim und Büchen­beu­ren ver­keh­ren. Am Frei­tag soll die­ser um 10.18 Uhr in Lan­gen-lons­heim star­ten und gegen 18 Uhr in Büchen­beu­ren  ankom­men. Zurück geht es am Sams­tag um 10 Uhr. Ankunft in Lan­gen­lons­heim soll für 17.45 Uhr geplant sein. DB Netz hat in den ver­gan­ge­nen Tagen übri­gens Maß­nah­men zur Sta­bi­li­täts­si­che­rung an der Brü­cke über den Bie­ber­bach in Nick­wei­ler vor­neh­men lassen.